Spür Dich!

Wer die eigenen Beine nicht spürt, ist nicht unbedingt eine Hypokonda oder ein Hypochonder. Sondern vielleicht nur ein Mensch, der den ganzen Tag vor dem PC gesessen ist.
Nein, das hat nichts mit Blutstau und tatsächlichem, nervlichem Spüren zu tun, sondern mit Wahrnehmung.

Die Energie folgt der Aufmerksamkeit. Wer den ganzen Tag seine Energie im Kopf und den oberen Extremitäten hat, hat sie zwangsläufig nicht in den Beinen. Das sind dann die Menschen, die mit „sooo einem Kopf“ zu mir zum Shiatsu kommen. Ließe ich sie sich selbst malen, so wie sie sich gerade im Moment fühlen, bekäme ich ziemlich sicher ein Strichmännchen mit riesigem Wasserkopf und dünnen, kleinen Beinchen.

Eine der Aufgaben von Shiatsu ist es nun, das Gleichgewicht wiederherzustellen. Die sprichwörtliche Balance. Nicht nur, dass Arme, Rumpf und Beine dasselbe Ausmaß an Lebendigkeit haben, sondern auch für ihre*n Besitzer*in wieder wahrnehmbar werden.

Am direktesten geht das über Berührung. Wie schon gesagt, Energie folgt der Aufmerksamkeit. Und sobald ich jemanden berühre, fließt seine Aufmerksamkeit in die Stelle, die ich berührt habe. Probiere es aus! Fass deinen Fuß an. Es ist unmöglich, dass Du ihn in diesem Moment nicht spürst.

Mein Ziel habe ich erreicht, wenn mein*e Klient*in nach der Behandlung aufsteht und sagt: „Als ich zu Dir gekommen bin, habe ich das Gefühl gehabt, ich bestehe aus lauter Einzelteilen oder es fehlt sogar etwas. Und jetzt fühle ich mich wieder gut zusammengesetzt und ganz.“

Damit es nicht soweit kommt, hilft es – besonders wenn man längere Zeit eine Tätigkeit macht, die nur einen Teil des Körpers beansprucht – sich selbst mit lockeren Fäusten abzuklopfen. Die Beine an den Außenseiten hinunter, über des Fußgewölbe zur Innenseite und dann hinauf zum Rumpf, hoch bis zum Schultergürtel, erst den einen Arm an der Innenseite hinunter bis zu den Fingerspitzen und an der Außenseite wieder hinauf, dann den anderen, schließlich etwas vorbeugen und mit den eigenen Handrücken die Nieren klopfen und zu guter Letzt mit den Fingerspitzenden höchsten Punkt des Kopfes, Ba Hui, das Tor zum Himmel. Auf diese Weise wird der ganze Körper gut durchblutet, das Qi saust durch die Meridiane und man fühlt sich garantiert nicht als Hypokonda.

 

Cartoon (c) Henry Schein

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